Aktuelle Konzertkritik:
Virtuose Cembalomusik in der Streichenkirche
Oliver Andreas Frank beschließt die diesjährige
Konzertreihe
An einem verregneten Spätsommerabend, der
schon wie ein Herbstanfang wirkte, fühlten sich die Besucher des letzten
Streichenkonzerts dieser Saison im Kircherl wunderbar geborgen und lauschten
dem Cembalo-Rezital von Oliver Frank, der Musik des 17. und
18.Jahrhunderts aufliegen hatte.
Er begann sein Konzert hochkonzentriert mit Johann Sebastian Bachs
"Toccata in G-Dur" BWV 916. Eigentlich war es ein kleines
dreisätziges Konzert, ganz auf Virtuosität getrimmt in den Ecksätzen, die ein
beseeltes, kantables Adagio einschlossen. Damit hatte sich der Cembalist
freigespielt für Präludium und Fuge d-Moll BWV 875 des Großmeisters: genüsslich
widmete er sich dem perlenden Tonleitern-Ineinander des Präludiums, deutlich
und durchhörbar brachte er das interessante Fugenthema aus aufsteigenden
Triolen und einer chromatischen Abwärtsbewegung zur Durchführung.
Auf eine ganz andere Art artifiziell und auf hohem Niveau verspielt wirkte die
"Toccata Quarta" aus dem ersten Toccatenbuch des Römers Girolamo
Frescobaldi aus dem Jahr 1627 - Oliver Frank erfüllte die rhythmischen und
technischen Ansprüche des Werkes durchdacht und liebevoll.
Als "Unterrichtsmaterial" hatte
Domenico Scarlatti seine 555 Sonaten für Klavier gedacht - als
kurze, geistvoll-witzige und elegante Kunstwerke stellen sie auch für den
versierten Spieler eine echte Herausforderung dar. Oliver Frank hatte sich für
die Kirkpatrick-Nummern 127 (As-Dur) und 492 (D-Dur) entschieden, schnell alle
beide, voll Kraft und Leidenschaft die erste, heiter und lebenslustig, mit
unerwarteten Wendungen die zweite. Seine temperamentvolle und agogisch kluge
Interpretation lies den Gedanken an das "Nähmaschinenhafte", das
Scarlatti oft untergejubelt wird, gar nicht erst aufkommen.
Die Cembalosuite Nr.1 d-Moll von Jean-Baptiste-Antoine Forqueray geht auf
"Pièces de viole" des begnadeten Gambisten zurück; seine zweite
Frau Mari-Rose Dubois, eine bekannte Cembalistin hat sie für ihr Instrument
eingerichtet. Die dadurch bedingte tiefe Tonlage klang auf Oliver Franks
Instrument sehr angenehm und ansprechend; sechs Charakterstudien von offenbar
recht selbstbewussten, kapriziösen Wesen, stellenweise von sanftem Liebreiz - von
Frauen also - wusste er mit Verständnis und tiefem Gefühl zu schildern;
besonders "La Portugaise" fand beim Publikum Gefallen.
Diese Konzertkritik von Engelbert Kaiser zum Cembalo-Abend vom 22. August 2009 erschien am 25.08.2009 in der "Chiemgau Zeitung" und im "Traunsteiner Wochenblatt"